Was ist die Bruch- und Reißdehnung?

Die Bruch- oder Reißdehnung ist ein Maß für die Verformbarkeit eines Werkstoffs bis zum Reißen. Sie beschreibt, um wie viel Prozent sich ein Material – etwa Gummi, Kunststoff oder Metall – unter Zugbelastung in der Länge dehnen kann, bevor es zum Bruch kommt. In der Gummi- und Elastomertechnik ist sie ein zentraler Kennwert zur Beurteilung von Elastizität, Flexibilität und Duktilität. Sie hängt von der Polymerstruktur, der Vernetzungsdichte, der Temperatur und der Alterung des Materials ab. Weichmacher, Füllstoffe und Vernetzungschemikalien können den Wert gezielt erhöhen oder verringern. Alterungseinflüsse wie Ozon oder UV-Strahlung verringern die Bruchdehnung aufgrund von Materialversprödung häufig deutlich.

  • Naturkautschuk (NR): > 500 %
  • Silikonkautschuk (VMQ): 300–700 %
  • EPDM, TPE, PU: je nach Mischung 100–500 %

 

Wie wird Bruchdehnung gemessen?

Die Bruchdehnung wird in einem Zugversuch nach Norm bestimmt. Dabei wird eine standardisierte Probe kontinuierlich gedehnt, bis sie reißt. Gemessen wird die relative Längenänderung gegenüber der ursprünglichen Länge in Prozent:
A (%) = ((l_Bruch – l_0) / l_0) × 100

Beispiel:

  • Ausgangslänge: 50 mm
  • Bruchlänge: 200 mm

Die resultierende Bruchdehnung beträgt 300 %

 

Bedeutung in der Praxis

  • Hohe Bruchdehnung: typisch für flexible Materialien wie NR, SBR, EPDM, VMQ
  • Niedrige Bruchdehnung: bei harten oder spröden Kunststoffen
  • Wichtig insbesondere bei Dichtungen, Tüllen, Membranen, Federelementen
  • Einflussfaktor für Dauerbelastbarkeit und Spannungsrissneigung